Warum mich Israel fasziniert

Ich bin ein ganz normaler Deutscher. Geboren in den Neunzigern und aufgewachsen zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Mich verbindet persönlich nicht viel mit dem Staat am Mittelmeer und auch sonst bin ich eine ganz normale Person. Tatsächlich habe ich ein Faible für Politik und Geschichte und beschäftige mich seit ich denken kann mit den verschiedensten geschichtlichen Ereignissen. Erst waren es die Römer und Ritter. Heute ist es die Zeit des Imperialismus.

Dennoch fasziniert mich der Staat Israel. Das Land der Juden, das so vielen Minderheiten ein demokratisches und freiheitliches Leben ermöglicht ist für mich einer der wenigen Staaten die ich wirklich bewundere. Dazu gehören vielleicht noch die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit dem legendären Winston Churchill. Doch ist es Israel das so oft in den Medien auftritt, so viel Spott einstecken muss und so viel Hass und Vernichtungsdrohungen erlebt. Seit der Gründung der nationalen Heimstätte des jüdischen Volkes haben die arabischen Nationen versucht den Staat mit kriegerischen Mitteln zu beseitigen. 3 Kriege brauchten sie um ihre Strategie zu ändern. Von der offenen Konfrontation wechselten die Araber zum Terrorismus und als auch der Terrorismus zu scheitern drohte wechselten sie zur systematischen Delegitimierung. Heute versucht man Israel nicht mehr mit brutaler Gewalt zu zerstören sondern mit Fernsehbildern und Boykotten. Der antisemitische Mob wütet auf den Straßen, greift Synagogen an und versucht die Brutalität eines kleinen Staates herauszuarbeiten. Ein kleiner Staat umgeben von Diktatoren, gescheiterten Demokratien und blutrünstigen Terrororganisationen die nicht der Religion des Friedens huldigen sondern einen makaberen Todeskult ausleben.

Trotz dieser Bedrohungen scheint es in Israel ein normales Leben zu geben. Sie heimsen ihre Nobelpreise ein, haben eine gewaltige Startup Szene entwickelt und schaffen es sogar ihre Güter nach Europa zu exportieren. Es ist bemerkenswert wie sehr diese Gesellschaft unter unbeschreiblichem Druck weiter besteht und sich ihren demokratischen Kern behält. Während man in Deutschland auf jede Erwähnung der vergangenen Verbrechen mit äußerster Aggressivität reagiert schaffen es die Israelis irgendwie an den Verhandlungstisch zurück zu kehren. Obwohl die Hamas sich Charten schreibt, über jeden toten Israeli jubelt und Kriegsverbrechen wie 1944 begeht verhandelt man tatsächlich mit diesen Verbrechern? Wie kann man davon nicht fasziniert sein.

Kritik an Israel

oder: Mein Leben ist langweilig.

Wer kennt sie nicht? Die Kritik an Israel oder auch Israelkritik. Es gibt sie in zwei, grundverschiedenen, Ausführungen die sich aber doch einen Aspekt teilen. Die erste Ausführung ist die gut gemeinte Kritik. Sie beginnt meistens mit: „Israel ist in Gefahr!“ oder „Wenn Israel sich nicht endlich zur Mitte bewegt“ oder „Israel wandert nach rechts!“. Die zweite Ausführung ist die Kritik zum Wohle der israelischen Feinde. Bei ihr dreht es sich darum „Unverhältnismäßigkeit“ oder „Exzesse“ anzukreiden. Man kritisiert Israel nicht um Israel zu verbessern sondern um es den Palästinensern oder wie sie alle heißen besser zu machen.

Bevor es an die Aufarbeitung geht gibt es einen wichtigen Punkt: Israelkritik ist kein Antisemitismus. Es gibt Antisemiten die ihre Kritik an Israel als Israelkritik tarnen oder auch einfach nur rassistische Schweine die ihren Hass auf alles Fremde damit tarnen wollen, indem sie auf einer Welle der Kritik mitschwimmen. Darum geht es in diesem Beitrag aber nicht. Genug kluge Menschen haben darüber gestritten und geschrieben. Ein guter Beitrag im zum Beispiel folgender: Es gibt ja genug Gründe, uns Juden nicht zu mögen.

In diesem Beitrag geht es um etwas anderes, das Israelkritik so absurd und lächerlich macht. Es geht schlicht und ergreifend darum das die Kritik an Israel im überwältigenden Maße von Menschen kommt die weder Israel noch die Autonomiegebiete je gesehen geschweigenden betreten haben. Sie haben keine nähere Verbindung mit dem israelischen Staat, kein Hintergrundwissen und sind in militärischen Belangen äußert unqualifiziert. Sie kennen sich nicht mit Strategien oder Waffen aus und wenn man ihnen Worten wie Trophy oder Iron Dome um die Ohren schlägt, zucken sie nur mit den Schultern. Sie verbinden die Hamasraketen tatsächlich mit Feuerwerk und haben nicht die geringste Ahnung warum die ganzen Gebäude in Gaza zerstört sind.

Dennoch meinen sie etwas zum Nahostkonflikt beitragen zu können. Sie meinen von Deutschland aus sagen zu können ob ein Luftschlag gegen einen Raketenstarter jetzt verhältnismäßig oder ein Kriegsverbrechen ist. Das können sie nicht. Diese ganzen Israelkritiker oder Freunde der Palästinenser haben, in der überwältigenden, Anzahl nie eine Waffe in der Hand gehabt, nie einen Raketenalarm erlebt noch je einmal die Haager Landkriegsordnung oder die Genfer Konvention studiert. In jedem anderen Umfeld würde man solche Menschen über den Mund fahren, man würde sie des Platzes verweisen oder schlicht und ergreifend auslachen. Wenn es um Israel geht verliert man plötzlich alle objektiven Standards. Dann darf ein „Typ des Judenrates“ plötzlich über Verhältnismäßigkeit referieren oder sagen: „Das geht ja gar nicht!!11!11“.

Entschuldigung, aber solche Kritik nützt absolut niemandem etwas. Sie macht kein einziges Kind in Gaza lebendig, sie beendet keine Raketen und führt auch nicht zu „dem Frieden.“. Im Gegenteil führt sie zur Abstumpfung der israelischen Öffentlichkeit und Politik. Ständiges Wiederholen des Mantra „Kriegsverbrechen“ oder „Friedensprozess“, führt dazu das uns keiner mehr zuhören möchte oder wird. Gute Gedanken gehen in dem Sturm von unnützem Bullshit unter und berechtigte Kritik kommt nicht mehr an weil sie in einer Flutwelle aus „Kriegsverbrechen!!!“-Schreien untergeht. Israel und Gaza werden nicht friedlich werden wenn wir hier, im Westen, Israel kritisieren und die Hamas hochloben. Der Terror in Syrien wird nicht beendet weil wir gegen die „Kindermörder“ demonstrieren und der Weltfrieden tritt nicht ein weil in Berlin gegen „die Rotschilds“ gehetzt wird. Wer das denkt ist im besten Fall naiv, im mittleren Fall ein Idiot und im schlechtesten Fall ein zynisches Arschloch. Wenn sich irgendetwas verändern soll, in Israel, Gaza, Ägypten oder im Westjordanland kann das nur geschehen weil die Völker es selbst wollen. Frieden kann es nur geben wenn die israelische Gesellschaft ihre eigene Debatte führt und die palästinensische Gesellschaft dem Terror abschwört. Dabei brauchen sie keine guten Ratschläge irgendwelcher deutscher Philosophen.

Antizionismus – Der Klebstoff der Weltanschauungen

Es ist offensichtlich der der Antizionismus sich inzwischen zu einem Ersatzantisemitimus entwickelt hat. Ich werde mich aber heute mal ganz auf die Funktion als Klebstoff verschiedenster Weltanschauungen konzentrieren.

Der Antisemitismus war schon immer ein Werkzeug um verschiedenste Gesellschaftliche Schichten und Systeme zusammenzuhalten. Welche Gemeinsamkeiten hatten Nationalsozialismus und Stalinismus? Faschismus und die Autokratie? Demokratie und Gottesstaaten? Es gab immer Abschnitte in denen Juden zu Staatsfeinden und Nicht-Staatsbürgern erklärt wurden. Interessant ist auch das die Zwangsmaßnahmen mit der Heftigkeit der Diktatur zunahmen. So wurden sowohl im Nationalsozialismus wie im Stalinismus Juden gezielt verhaftet und vernichtet. Zwar wurde im Stalinismus dies nicht so massiv praktiziert und das Ziel war die gesamte kapitalistische Schicht doch trotzdem war ein großes Ziel die Juden, was natürlich auch durch die Ärzteverschwörung, die Stalin provoziert und inszeniert hat, bewiesen wird.

Doch wo sind jetzt die Gemeinsamkeiten zum Antizionismus? Die Gemeinsamkeiten treten in der Nutzung dieser „Ideologie“ als Waffe und Klebstoff auf. Demokratien, die Türkei, Gottesstaaten, der Iran, Diktaturen, Syrien und Ägypten und in sozialistischen Bewegungen, ala RAF oder auch Die Linke. Auch dort wird der Antizionismus missbraucht um den Staat zusammenzuhalten. Einfach macht er das weil der Antizionismus eine Ideologie ist die sich fast jeder aneignen kann, Linke, Rechte, Bürgerliche, Islamisten, Fundamentalisten und andere Radikale. Ein klares Feindbild das außerhalb der eigenen Bekanntschaft agiert und sowieso immer auf der Anklagebank sitzt verbindet die verschiedensten Schichten. So arbeitet der Iran und Saudi-Arabien zusammen um Israel „los zu werden“. Obwohl in anderen Thema ein kalter Krieg zwischen beiden Seiten herrscht. So funktionierte es auch mit dem Antisemitismus. Er verband die Konservativen und Nationalsozialistische Schichten des Dritten Reiches gemeinsam gegen ein Feindbild.