Was kostet uns der Niedriglohn?

Im Jahr 2012 sind 29%, d.h. 1,3 Millionen Hartz IV Bezieher Aufstocker. Das bedeutet das neben dem eigentlichen Lohn aus einer Vollzeit- oder Teilzeitstelle vom Staat Hartz IV bezahlt werden muss damit eine Person menschenwürdig leben oder besser gesagt, überleben kann. Das Durchschnittseinkommen eins Single, der Aufstockt liegt bei 357€, das Durchschnittseinkommen eines Paares mit Kind liegt bei 916€. Man muss dabei erwähnen das Studenten, Rentner und Auszubildende vom Aufstocken konsequent abgetrennt sind. Das sind die derzeitigen Zahlen. Die vergangenen Zahlen sind interessanter. Trotz sinkender Gesamtzahl von Hartz IV Empfänger ist die Zahl von Hartz IV Aufstockern gleich geblieben und sogar um 150.000 Personen gewachsen. Geht man von einem Mindestlohn von 8,50 aus und von einem 8 Stunden Tag kommt man auf ein Lohn von 1200€. 

Ein großes Thema im vergangenen Bundestagswahlkampf war Altersarmut ein großes Thema. Menschen die über 40 Jahre hinweg weniger als 1200 Euro verdienen haben bei Beginn ihrer Rente Anspruch auf 475€ Rente. Der Hartz IV Regelsatz liegt bei 382 Euro. Dabei hat jede Person noch Anspruch auf 250€ bis 500€ Zuschüsse für Miete und Unterkunft. Ebenfalls ist der Hartz IV Regelsatz das Existenzminimum für eine Alleinstehende Person. Es darf also gerne jeder einmal ausrechnen was eine Person mit 475€ Rente im Monat alles anstellen kann. Dabei wird nichts herauskommen. Oder verschwindend wenig. Die LINKE fordert, um die Probleme zu beseitigen eine staatliche Mindestsicherung von rund 1000€ Euro. Der Betrag ist als extrem hoch zu bewerten und natürlich Wunschdenken. Für ein würdiges Leben ohne, weitere, staatliche Stütze aber durchaus realistisch. Zieht man von den 1050€ die 475€ ab erhält man eine Differenz von 575€. Wer muss diese Differenz bezahlen? Exakt. Die Beitragszahler in 20+ Jahren. All dies liegt natürlich daran weil man es den Personen nicht ermöglicht die eigene Rente zu erwirtschaften.

Ein Alleinverdiener mit einem Partner und zwei Kindern benötigt einen Mindestlohn von 12€ um den Lebensunterhalt der Familie ohne staatliche Hilfe zu benötigen. Das große Problem ist aber das es scheinbar nicht möglich ist ausreichend produktive Arbeitsplätze zu schaffen um jeder Person auch dieses „Mindestlohn“ zu bezahlen. Deshalb setzt die Politik bei einem Mindestlohn von 8,50€ an um die Steuerlasten zu verringern, das Aufstockertum zu reduzieren und möglichst wenige Arbeitsplätze zu gefährden. Dennoch ist eine wichtige Frage: „Existiert die Produktivität wirklich nicht um 12€ Mindestlohn zu gewährleisten?“. Es ist davon auszugehen das in der Bundesrepublik Deutschland ausreichend Produktivität vorhanden ist um jeder Person einen Mindestlohn von 12€ zu gewährleisten. Der Kapitalismus führt aber dazu das die Produktivität nicht nach Bedürfnis der einzelnen Personen vergeben wird sondern auf Basis von subjektiven Entscheidungen wie Wissen und Stellung in der Nahrungskette vergeben wird. Es ist also nicht ohne tiefgreifende Reformen möglich das Problem des Niedriglohnes zu beseitigen. Das wichtigste wäre in der Tat eine Verteilung der Produktivität nach Bedürfnis. Nicht nach Stellung. 

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3 Gedanken zu “Was kostet uns der Niedriglohn?

  1. Der Kapitalismus führt aber dazu das die Produktivität nicht nach Bedürfnis der einzelnen Personen vergeben wird sondern auf Basis von subjektiven Entscheidungen wie Wissen und Stellung in der Nahrungskette vergeben wird. Es ist also nicht ohne tiefgreifende Reformen möglich das Problem des Niedriglohnes zu beseitigen. Das wichtigste wäre in der Tat eine Verteilung der Produktivität nach Bedürfnis. Nicht nach Stellung.

    Das ist dann wieder Marxismus vom Feinsten „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen.“ und übersieht das krachende Scheitern aller historischen Versuche, das erwirtschaftete Einkommen durch Zentralplanung „gerecht zu verteilen“.

    • Jeder nach seinen Fähigkeiten,

      Dieser Teilsatz steht wie kein anderer für Kapitalismus und kapitalistische Lohnfindung. Man wird nach Fähigkeiten bezahlt. Jemand mit mehr Fähigkeiten erhält mehr Lohn und jemand mit mehr Wissen hat eine höhere Chance in Zukunft andere Personen zu befehligen.

      <blockquote das erwirtschaftete Einkommen durch Zentralplanung “gerecht zu verteilen”

      Es geht hier doch nicht um Einheitslohn und Einheitsbezahlung. Es geht darum einen Lohn zu finden der möglichst negative Erscheinungen eliminiert. Dieser Lohn liegt bei 12€. Angeblich.

      Natürlich macht dieser Gedanke nur Sinn als neutraler Beobachter. Vielleicht noch als Steuerzahler mit 15€ Stundenlohn und lebenslanger Jobgarantie. Als Unternehmer wird man solche Gedanken nicht machen weil man durch die negativen Auswirkungen einfach weniger betroffen ist. Außer man ist ein Unternehmer mit Gewissen.

      • Dieser Teilsatz steht wie kein anderer für Kapitalismus und kapitalistische Lohnfindung.

        Aber du hast den anderen Teilsatz vergessen: „… jedem nach seinen Bedürfnissen“. Vollständig ist der Satz das Motto des Marxismus. Du forderst „eine Verteilung der Produktivität nach Bedürfnis. Nicht nach Stellung“. Das wird dann durch diesen Satz bestärkt:

        Es geht darum einen Lohn zu finden der möglichst negative Erscheinungen eliminiert.

        Du willst also Arbeiter „nach ihren Bedürfnissen“ bezahlen, nicht nach der tatsächlichen Leistung.

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